Die Hände
Der Arzt Carl Gustav Carus stellte fest, dass sich die Körperproportionen und der Körperwuchs in jedem Teil kundtun. Die Paläontologen nutzen das, um aus ein paar Knochen eines ausgestorbenen Tieres auf sein Aussehen zu schließen – und auch auf seine Lebensweise, seine Nahrung und anderes. Auch die Gentechnologie und insbesondere das Klonen nutzen den Umstand, dass ein Lebewesen sich in jeder seiner Zellen widerspiegelt. Jeder noch so kleine Teil des menschlichen Körpers ist eine "Visitenkarte" des ganzen Menschen. Daher können ein einzelnes Haar oder ein Tropfen Speichel einen Verbrecher überführen.
Das Gehirn ist über Nervenbahnen mit allen Körperteilen verbunden, d.h. zwischen jedem Körperteil und dem Gehirn gibt es eine "Telefonleitung". Alles, was im Gehirn vor sich geht, wird an jeden Teil des Körpers übermittelt. Folglich beeinflusst unser Denken unseren Körper – und umgekehrt – und unser Denken verändert den Körper. Das bewirkt, dass zwei Menschen, die viele Jahre miteinander verbringen, einander auch äußerlich immer ähnlicher werden können.
Die folgende Darstellung zeigt den senso-motorischen Homunkulus.

Man sieht, wo im Gehirn welche Körperregionen zu finden sind. Die Hand nimmt dabei überproportional viel Platz ein. Daher ist die Hand ausdrucksstärker als andere Körperregionen. Daher ist die Hand ständig im Einsatz, wie zum Beispiel beim Gestikulieren mit den Händen während des Sprechens. Daher kann ein Blinder mit den Fingern "sehen". Die Hand ist ein besonderer Körperteil. Weil das Gehirn mit allen Körperteilen verbunden ist, kann man überall am Körper "lesen". Daher gibt es die Zungendiagnose, die Gesichtsdiagnose, die Irisdiagnose, die Phrenologie (das Lesen aus der Schädelform), die Fußreflexzonen und anderes mehr. Durch die prominente Stellung der Hand im Vergleich zu den anderen Körperteilen geht das Lesen in der Hand am leichtesten.
Ein zentraler Nutzen des Handlesens besteht darin, einen Menschen als das zu erkennen, was er seinem Wesen nach ist. Ein Stück Glas nehmen wir anders in die Hand als ein Stück Holz – und zwar, weil wir die Möglichkeit des Zerbrechens von Glas mitsehen. Wir sollten auch jedem Menschen seiner Art gemäß begegnen. Mit einem robusten Menschen wird man anders umgehen, als mit einem, der sehr sensibel und daher leicht angerührt ist. Jeder wünscht sich, als das, was er ist, angenommen und behandelt zu werden. Das Handlesen ist dafür eine große Hilfe. Es braucht dazu nicht eine komplette Handlesung. Mit etwas Übung reicht schon ein kurzer Blick auf die Hände eines Menschen, um sein Wesen in groben Zügen zu erfassen.
Weil das Gehirn mit der Hand durch viele Nervenbahnen verbunden ist, verändert sich die Hand, wenn der Mensch sich verändert. Die Neigungen der Finger zueinander, ja sogar die Längen der Finger können sich ändern. Am raschesten reagieren die Handlinien sowie Färbungen. Die Papillarlinien (die Papillarlinien auf den Fingerkuppen ergeben die so genannten Fingerabdrücke) bleiben zeitlebens unverändert.
In der Astrologie kennt man den Spruch: „Die Sterne machen geneigt, sie zwingen aber nicht“ – und Gleiches gilt für die Numerologie. Dahinter steckt, dass der Mensch einen freien Willen hat. Jeden Tag trifft er Entscheidungen, die sein weiteres Leben beeinflussen. Mit seinem freien Willen gestaltet der Mensch seine Zukunft („jeder ist seines Glückes Schmied“) – und erfüllt seinen Lebensplan oder entfernt sich von ihm. Jeder Willensentscheid verändert den Menschen. Es ist offensichtlich, dass das Geburtsdatum solche Veränderungen nicht widerspiegeln kann. Die lebendige und daher mitlebende Hand zeigt die Veränderungen.
Ausgehend von dem, was man seinem Lebensplan nach sein sollte, formt sich die Hand zu dem, was man aufgrund seiner Lebensweise und der getroffenen Entscheidungen ist. Eine Abweichung vom Lebensplan (eine Diskrepanz von "Ist" und "Soll") erzeugt Spannungen, die sich auf vielerlei Art körperlich wie nichtkörperlich zeigen können.
